Hallo…

…und herzlich willkommen! Hier findet ihr alle Infos zum Perfekt von unserem DIALOG-Team direkt auf eurem Screen. Die Kurzfassung könnt ihr euch im Video anschauen und die detaillierte Version könnt ihr im Text nachlesen. Die Beispiele haben wir für euch grün markiert. Wenn ihr nur bestimmte Infos sucht, findet ihr nachstehend eine Übersicht.

1. Die Verwendung des Perfekt

Für die Vergangenheit

2002
vor 3 Tagen
gestern

Das Perfekt erzählt genauso die Vergangenheit wie das Imperfekt (Präteritum). Die beiden sind völlig gleichwertig.

Der Hund ist in den Garten gelaufen. = Der Hund lief in den Garten.

Die Information ist in beiden Sätzen ident. Der Unterschied liegt darin, wann ich das Perfekt und wann ich das Präteritum benutze.
Das Perfekt verwenden wir:

in der mündlichen Sprache d.h. zum Sprechen
in informellen Texten
in E-Mails
auf Online-Plattformen

Für Zeitungstexte, Berichte etc. verwendet man im österreichischen Standard das Präteritum.

Präteritum (formell): Der Minister traf sich mit der Präsidentin. | Der Minister beriet sich mit seinen KollegInnen und traf danach seine Entscheidung.

vs.

Perfekt (informell): Ich bin gestern auf die Donauinsel gefahren. | Ich bin gestern 16 km gewandert und habe danach einen guten, erfrischenden Spritzer getrunken.

Das heißt, wir können sagen: In informellen Kontexten, wie z.B. Sprechen mit FreundInnenoder per WhatsApp, verwenden wir das Perfekt. In formellen Kontexten, wie z.B. dem Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten, verwenden wir das Präteritum.

1a. Ausnahmen

Einige Verben werden auch beim Sprechen und in informellen Texten im Präteritum benutzt.

Diese Verben sind:

haben
sein
Modalverben
einige frequente Verben (es gibt, es geht, denken, wissen,…)

Ich hatte Kopfschmerzen. Deshalb war ich müde und konnte mich nicht konzentrieren. Ich wollte eine Tablette nehmen. Leider gab es in meiner Wohnung keine mehr. Dann wusste ich, ich musste schlafen gehen.

2. Bildung des Perfekt

Wir bilden das Perfekt mit dieser Formel:

haben oder sein im Präsens + Partizip II

Ich bin gegangen.
Ich bin in den Park gegangen.
Ich bin heute in den Zoo gegangen.


Wie wir in den Beispielen sehen, haben die Teile des Perfekts im Hauptsatz folgende Positionen:
haben/sein im Präsens = Position 2 | Partizip II = Position Ende

Wie funktioniert das aber im Nebensatz?

Ich bin in den Park gegangen, weil die Sonne geschienen hat.

haben/sein im Präsens = Position Ende | Partizip II = vor haben/sein

2a. haben oder sein

haben/sein werden im Perfekt als Hilfsverben bezeichnet. Sie helfen uns, das Perfekt zu machen, ändern aber nicht den Sinn oder die Aussage des Satzes.

sein haben
Bewegung oder Positionswechsel, Distanz (Punkt A nach Punkt B)
Ich bin vom Kino zum Theater gefahren. Sie ist von China nach Russland geflogen.
Die meisten Verben verwenden haben im Perfekt.
Situationswechsel (Situation A zu Situation B)
Er ist 1898 gestorben. (Situation A: Er lebt. Situation B: Er ist tot.)
Das Glas ist zerbrochen. (Situation A: Das Glas ist okay, ganz. Situation B: Das Glas ist kaputt.)
alle reflexiven Verben
Ich habe mich am Abend geduscht und sie hat sich die Zähen geputzt.
Er hat sich unsterblich in seinen Nachbarn verliebt.
Ereignisverben (etwas passiert)
Ein Unfall ist passiert/geschehen.
Der Student ist an der letzten Prüfung gescheitert.
Ihr ist ein Unglück zugestoßen.
auch so: vorkommen und gelingen
Ausnahmen: sein und bleiben
Jonas ist müde gewesen.
Kathrin ist zu Hause geblieben.
à Nur Verben OHNE Akkusativ können das Perfekt mit sein bilden.

2b. Partizip II

Das Partizip II ist eine spezielle Form des Verbs und ist nicht veränderbar (keine Konjugation), es bleibt also immer gleich. Wir verwenden es in verschiedenen Kontexten z.B. im Perfekt, im Passiv oder auch manchmal als Adjektiv.

Nicht alle Verben bilden das Partizip II gleich, deshalb findet ihr hier eine Übersicht:

I. schwache Verben

Schwache oder regelmäßige Verben sind Verben, die im Präteritum, im Partizip II  und auch im Präsens ihren Vokal* nicht verändern z.B. machen.

Ich mache eine Eierspeise. Ich machte eine Eierspeise.

ge + Verbstamm** + t

Ich koche eine Suppe. Ich habe eine Suppe gekocht.
Ich habe Hunger. Ich habe Hunger gehabt.

* Vokale sind: a, e, i, o, u
** Der Verbstamm ist das Verb im Infinitiv ohne das Ende (-en). | gehen
à geh | laufen à lauf | trinken à trink usw.

II. starke Verben

Unregelmäßige oder starke Verben sind Verben, die im Präteritum und/oder im Partizip II und/oder im Präsens ihren Vokal* verändern z.B. essen.

ge + Verbstamm** + en

Ich esse. Ich habe gegessen.
Ich fliege. Ich bin geflogen.

* Vokale sind: a, e, i, o, u
** Der Verbstamm ist das Verb im Infinitiv ohne das Ende (-en). | gehen à geh | laufen à lauf | trinken à trink usw. ACHTUNG: Bei den starken Verben kann sich der Verbstamm verändern z.B. bringen →brach (gebracht) usw.

III. trennbare Verben

Trennbare Verben sind Verben, die im Präsens getrennt oder separiert werden müssen z.B. einkaufen.

Ich kaufe im Supermarkt ein. Auch das Partizip II muss getrennt werden.

Präfix* + ge + Verbstamm* + t/en

Ich kaufe im Supermarkt ein. ich habe im Supermarkt eingekauft.
Ich rufe heute meine Mama an. Ich habe gestern meine Mama angerufen.

* Das Präfix ist der Teil vom Verb, der abgetrennt wird z.B. ein, auf, an etc.
* Der Verbstamm ist das Verb im Infinitiv ohne das Ende (-en).
gehen à geh | laufen à lauf | trinken à trink ACHTUNG: Bei den starken Verben kann sich der Verbstamm verändern z.B. anbringen – brach (angebracht).

IV. untrennbare Verben

Untrennbare Verben sind Verben, die ein Präfix* haben, aber nicht getrennt werden z.B. verkaufen.

Ich verkaufe mein altes Auto. Sie werden auch im Partizip II nicht getrennt und bekommen KEIN ge-.
*Das Präfix ist der Teil vom Verb, der abgetrennt wird z.B. be, ver etc.

Präfix + Verbstamm* + t/en

Ich bekomme ein Paket. Ich habe ein Paket bekommen.
Ich vergesse meine Schlüssel zu Hause. Ich habe meine Schlüssel zu Hause vergessen.

*Der Verbstamm ist das Verb im Infinitiv ohne das Ende (-en).
gehen à geh | laufen à lauf | trinken à trink

V. Verben auf -ieren

Hier nun die sympathischste Gruppe der Verben, da sie am einfachsten zu lernen ist.
Alle Verben, die auf-ieren enden, werden im Partizip II gleich gebildet.

Verbstamm* + -iert

Ich trainiere morgen. Ich habe gestern trainiert.
Sie analysiert den Text. Sie hat den Text analysiert.

*Der Verbstamm ist das Verb im Infinitiv ohne das Ende (-en).
gehen à geh | laufen à lauf | trinken à trink

3. Perfekt vs. Zustandspassiv (ab B2)

Oft werden diese beiden Formen vermischt oder verwirrt. Ihr Unterschied ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Das Glas ist zerstört. vs. Das Glas ist gefallen.

à Was ist hier das Aktiv Perfekt und was das Zustandspassiv?

ist zerstört = Zustandspassiv | Es beschreibt einen bereits bestehenden Zustand und es gibt keine handelnde Person oder keinen/keine AkteurIn in diesem Satz.
ist gefallen = Aktiv Perfekt | Das Glas fällt, d.h. es macht „aktiv“ etwas, etwas passiert. Diese Handlung liegt natürlich auch in der Vergangenheit.

Die Bedeutung der beiden Sätze ist also genaugenommen gleich. Das Resultat ist ident: Das Glas ist kaputt.

Wenn ihr jetzt noch Fragen habt, dann schreibt uns doch gerne an office@dialog-wien.at oder auf  https://www.facebook.com/dialogwien.
Sicher freuen sich auch eure KurskollegInnen über euer neues Wissen – besprecht offene Fragen also auch gerne im Kurs mit euren TrainerInnen.

Alles Liebe! 💚
Euer DIALOG-Team